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Eiszeit

Eiszeitalter sind Perioden, in denen sich um mindestens eine Polarregion grössere Vereisungen bilden, die bis in die mittleren Breiten reichen können. Es gab mindestens sechs Eiszeiten in der Erdgeschichte, die letzte, das «Quartäre Eiszeitalter», begann vor etwa 2,7 Millionen Jahren und dauert bis heute an. 
 
Prägend sind die Temperaturschwankungen zwischen Warm- und Kaltzeiten, die die Tier- und Pflanzenwelt erheblich beeinflussen. In Europa dringen während Kaltzeiten Gletscher ins Alpenvorland vor, um in Warmzeiten wieder zu schmelzen. Arten, die sich nicht anpassen können, werden verdrängt, während kälteresistente Arten einwandern. 
 
Die heutige Flora und Fauna wurde stark durch diesen Wechsel geprägt, was zum Aussterben vieler Grosssäuger wie Mammut und Höhlenbär führte. Auch die Jagd durch den Menschen könnte zum Verschwinden dieser Arten beigetragen haben. Gleichzeitig entstanden durch die klimatischen Veränderungen neue Arten, wie zum Beispiel das Alpenschneehuhn.
 
Das Mammutmuseum Niederwenigen präsentiert die reichhaltigen Fossilfunde der Mammuts, die charakteristischen Tiere der Kaltzeit, und gibt Einblicke in weitere Ausgrabungen, die in Zusammenarbeit mit dem Paläontologischen Institut der UZH stattfanden.

Mammutsteppe – ein besonderer Lebensraum 

Wenn wir an Eiszeiten denken, stellen wir uns oft vereiste Landschaften vor. Doch nicht alle eiszeitlichen Lebensräume waren so unfreundlich. Ein Beispiel ist die Mammutsteppe, die sich vor 115'000 bis 11'600 Jahren während einer Kaltzeit über weite Teile von Nord-Eurasien und zeitweise Nordamerika erstreckte. Diese Gebiete waren größtenteils nicht vergletschert. 
Die Schweiz hingegen ist von Gebirgen geprägt, die eine andere Vegetation und Landschaftsstruktur aufweisen. Zudem waren die klimatischen Bedingungen in der Schweiz während der Kaltzeiten oft feuchter und weniger ideal für die Ausbreitung der typischen Steppenvegetation, die für die Mammutsteppe charakteristisch war.
 
Vor 26'000 bis 20'000 Jahren war die Mammutsteppe das größte Biom der Erde. Ihre Entstehung wurde durch folgende klimatische Bedingungen begünstigt:

  • Große Eisschilde bildeten sich im Inlandeis, wodurch sich die Meere zurückzogen und ein trockenes Kontinentalklima entstand.
  • Die Gletscher schliffen die Landschaft und erzeugten Lockermaterial, das durch den Wind zu Löss- und Sandstaub wurde. Dieser lagerte sich entlang trockener Flussläufe zu nährstoffreichen Lehmschichten ab.
  • Ein Permafrostboden entstand aufgrund der niedrigen Jahrestemperaturen und geringen Niederschläge, was das Wachstum von Bäumen verhinderte.

Heute existiert die Mammutsteppe nicht mehr, und direkte Vergleiche mit heutigen Lebensräumen sind schwierig. Die alpinen Matten oberhalb der Baumgrenze und die Hochlandsteppe Zentralasiens kommen ihr am nächsten, sind jedoch deutlich feuchter.
 
Die Pflanzenwelt der Mammutsteppe wurde durch Pollenanalysen aus dem Verdauungstrakt von Mammuts in Sibirien rekonstruiert. Die typische Flora bestand überwiegend aus Kräutern und Arten, die heute in trockenen Gebieten vorkommen, wie der Pumpellys Trespe (Bromus pumpellianus), Hartwurz (Artemisia frigida) und Finger-Kuhschelle (Pulsatilla patens). Auch Salzschwaden, Grasnelken (Armeria sp.), Silberwurzen (Dryas sp.) und Felsenblümchen (Draba). fanden sich dort. Die Kraut-Weide (Salix herbacea) war eine der verholzten Pflanzen dieser Steppe.
 
Neben dem Mammut streiften auch Riesenhirsche, Karibus, Steppenbisons, Pferde und Yaks durch die Mammutsteppe. Auch bedeutende Karnivoren, wie der Höhlenlöwe, das Vielfrass, die Höhlenhyäne, Wölfe und Bären lebten in diesem Habitat. Die Zusammensetzung der Fauna variierte jedoch stark je nach geografischer Lage.

Eiszeit in der Schweiz erleben 

Die eiszeitlichen Spuren sind heute noch in unserer Landschaft erkennbar. Gletscher waren und sind landschaftsverändernde Gewalten! Bei ihren Vorstössen gruben die eiszeitlichen Gletscher die grossen Becken der Voralpen und des Mittellandes. Beim Abschmelzen hinterliessen sie wiederum riesige Moränen und lange schmale Seen. Die tonnenschweren Blöcke, die durch den Aushub der Täler entstanden sind, liegen verstreut im Mittelland, in Alpentälern oder im Jura zu. Sie werden auch Findlinge genannt. Die alpine und voralpine Landschaft hätte ohne das Wirken der Gletscher ein also völlig anderes Aussehen.

Weiterführende Informationen

Glaciers online

Schauen Sie sich eiszeitliche Spuren wie Findlinge und Moränen online an!

Eiszeiten und Klimawandel

Dank dieses Projekts der UZH können Besucher*innen auf der Felsenegg die Eiszeit direkt in der bestehenden Landschaft visualisieren.